Knubbelchen am piercing – was tun?

Posted by Hika Kierkenupp on

Ganz oft schreiben mir Kunden, weil sich an ihren Piercings beinahe über Nacht etwas gebildet hat, das sie als kleinen Pickel, Beule, oder Knubbel identifizieren. Häufig wird dann der Begriff „Keloid“ (vom Kunden) in den Raum geworfen. Das ist meist so nicht ganz korrekt, was sich sehr schön durch den ersten Satz in der Definition von Netdoktor zeigt:

„Ein Keloid ist eine Narbe, die über das Narbenareal hinauswuchert und sich teils deutlich über die umliegende gesunde Haut erhebt.“

Da es sich bei den kleinen „Knubbelchen“, die sich häufiger an Nasen- oder Ohrpiercing zeigen, eben um kleine Erhebungen handelt und nicht um große Wucherungen, die den gepiercten Bereich überschreiten, kann man von keinem Keloid sprechen.

Die nächste Vermutung, die sich vielen Kunden stellt, ist, ob es sich um eine Entzündung handeln könnte. Jein. Es könnte, ist es aber meistens nicht. Wenn die Blase/der Knubbel/wie auch immer ihr es nennen wollt keinerlei Flüssigkeit in sich trägt, kaum wehtut, nicht stark gerötet und erwärmt ist, dann handelt es sich wahrscheinlich um keine Entzündung.

Aber was ist es denn dann?

Ich habe im vorigen Abschnitt schon das Schlagwort „Blase“ benutzt, und genau damit möchte ich dieses Problem auch vergleichen. Kennt ihr das, wenn ihr viel zu enge Schuhe tragt, vielleicht sogar solche, die noch ganz neu sind? Da entstehen dann Blasen und Schwielen durch die ganze Reibung. Die können teilweise sehr, sehr dick sein. (Gerade diejenigen, die als Teenager Kampfstiefel oder auch DocMartens getragen haben, kennen vielleicht auch Schutzgewebe in einer so verstärkten Form, dass es beinahe nach einem Überbein aussieht.) Der Körper macht das, um empfindliches Gewebe zu schützen. Die engen Schuhe fungieren hier als mechanische Reizung, etwas, das in einer leicht anderen Form auch mit einerm Piercing passieren kann – zu dünner Schmuck kann Reibung verursachen, gerade, wenn man darauf liegt oder dagegen kommt. Aber auch chemische Reizungen können zu einem solchen Ergebnis führen (in meiner Pflegeanleitung findet ihr einiges dazu, wie ihr solche vermeiden könnt). Allerdings solltet ihr auch das mit eurem piercer abklären; sollte es sich eher um eine feucht-fleischige, etwas größer geratene Blase (die auch gerne mal blutig aussieht) handeln kann es einfach sein, dass sich hinter dem Piercingschmuck zuviel Feuchtigkeit sammelt, die das umliegende Gewebe aufweicht. Das Piercing nach dem Duschen und Reinigen mit einem Fön auf der Kaltstufe oder einer sterilen kompresse abzutrocknen kann schon einmal Wunder wirken.

 

Nun gut, wie geht das denn wieder weg?

Zuerst einmal: Hört nicht auf Laien aus dem Internet, die euch Teebaumöl, Wasserstoffperoxid oder andere irritierende Mittel empfehlen wollen. Das verschlimmbessert das Problem ersteinmal. Und nein, ihr wollt auch keine antibiotische Salbe wie Tyrosurgel verwenden, sofern ihr keinen Bakteriellen Abstrich bei einem Mediziner habt nehmen lassen, der euch dann ein Lokalantibiotikum verschreibt.

Schlaft nicht auf dem Piercing, dreht nicht daran rum, sprecht entweder mit mir oder dem Piercer eures Vertrauens, sucht gemeinsam nach der Ursache, reinigt das Piercing weiter mit Kochsalzlösung und, sollte das Problem erst aufgetreten sein als ihr zu früh auf einen ring gewechselt haben oder auf Ultraengen oder ultradünnen Schmuck... setzt wieder den Schmuck, den ihr vor dieser Problematik drin hattet ein.


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